{"id":6343,"date":"2026-02-26T12:48:54","date_gmt":"2026-02-26T10:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/bauhaus-center.com\/nachruf-ascher-ben-shmuel\/"},"modified":"2026-02-26T12:48:54","modified_gmt":"2026-02-26T10:48:54","slug":"nachruf-ascher-ben-shmuel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/nachruf-ascher-ben-shmuel\/","title":{"rendered":"Nachruf Ascher Ben-Shmuel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachruf Ascher Ben-Shmuel<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>1934 \u2013 2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ascher Ben-Shmuel war schon weit \u00fcber 60, als er im Jahr 2000, zusammen mit Shlomit und Micha Gross, das Bauhaus-Center in Tel Aviv ins Leben rief. Er hatte ein bewegtes und erfolgreiches Leben hinter sich, hatte Medizin studiert, eine Familie gegr\u00fcndet und, wiederum zusammen mit Micha Gross, das erste private Schlaflabor der Stadt Z\u00fcrich er\u00f6ffnet. Doch nun sollte etwas Neues entstehen ein Zentrum mitten in Tel Aviv, in dem die Ideen des 1919 von Walter Gropius geschaffenen und 1933 auf Druck der Nationalsozialisten geschlossenen Bauhauses weiterlebten und das Andenken an die aus Europa geflohenen Pioniere des Neuen Bauens gepflegt wurde. Dieser Aufgabe widmete sich Ascher Ben-Shmuel in den letzten Jahren seines Lebens mit grosser Hingabe. Es ist nicht zuletzt dem Wirken des Bauhaus Center zu verdanken, dass Tel Avis mehr als 4000 Geb\u00e4ude umfassender Schatz an Bauhaus-Architektur bewahrt, renoviert und schliesslich im Jahr 2003 als Weltkulturerbe anerkannt wurde.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ging es Ascher Ben-Shmuel bei diesem Engagement in erster Linie darum, Tel Avivs architektonische Bedeutung \u00fcber die Grenzen Israels hinaus bekannt zu machen. Er hat sich zweifellos aber im Schicksal jener Bauhaus-K\u00fcnstler auch ganz pers\u00f6nlich wiedererkannt, die der Verfolgung durch den Nationalsozialismus entkommen waren und in Eretz Israel eine neue Heimat und ein neues Bet\u00e4tigungsfeld gefunden hatten. Denn auch er war kein geb\u00fcrtiger Israeli. 1934 in Temeswar, dem heute rum\u00e4nischen Timi\u015foara, geboren, war der junge Ascher Fogel, wie er damals noch hiess, nach dem Krieg ohne seine Eltern Richtung Pal\u00e4stina aufgebrochen, wo er wie so viele vor und nach ihm von den Briten zur\u00fcckgewiesen und f\u00fcr neun Monate in ein Internierungslager auf Zypern verbracht wurde. Erst 1948 gelang ihm schliesslich die Einreise in das Land, das ihm Heimat werden sollte.<\/p>\n<p>Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule \u00abMikwe Israel\u00bb in der N\u00e4he von Tel Aviv, dem Einsatz als Feldweibel im Suez-Krieg von 1956 und einigen Abstechern in die Gebiete Agronomie, Politologie und Musikwissenschaft wandte er sich schliesslich dem Studium der Medizin zu. Ein Stipendium der Universit\u00e4t Kiel brachte ihn zur\u00fcck nach Europa. Die Begegnung mit der jungen Z\u00fcrcherin Judith Kimche, seiner sp\u00e4teren Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder, f\u00fchrte ihn in die Schweiz, wo er seine Ausbildung zum Neurologen abschloss und sich als Arzt mit eigener Praxis in Z\u00fcrich niederliess.<\/p>\n<p>Ascher Ben-Shmuel war mit Leib und Seele Arzt, ein ausgezeichneter Neurologe, der sich mit Empathie und hohem Sachverstand der N\u00f6te seiner Patientinnen und Patienten annahm. Was ihn dar\u00fcber hinaus auszeichnete, waren sein feiner Humor und sein Sinn f\u00fcr Ironie, die ihm Distanz zu den Dingen verschaffte und auch noch dem Schwersten einen Hauch von Leichtigkeit verlieh. Und mit menschlichem Leid war er nicht nur in seinem beruflichen Alltag, sondern auch in seinem eigenen Leben konfrontiert. Auch wenn er kaum je dar\u00fcber sprach, die Zeit des Krieges, die Reise<\/p>\n<p>aus dem kriegsversehrten Europa ins ferne Pal\u00e4stina sowie sp\u00e4ter das Scheitern seiner Ehe und der viel zu fr\u00fche Tod seiner zwei T\u00f6chter m\u00fcssen ihn tief gepr\u00e4gt haben. Wie es ihm gelang, bei all den Schicksalsschl\u00e4gen die ihm eigene Heiterkeit zu bewahren, wird f\u00fcr immer sein Geheimnis bleiben.<\/p>\n<p>Geholfen hat ihm dabei mit Sicherheit seine unersch\u00fctterliche Liebe zu den Menschen: zu den ihm anvertrauten Patientinnen und Patienten, vor allem aber zu seinem Sohn Joav, seinen drei Enkeln Adam, Jaron und Dan und vor allem zu Ruth Luks, der Gef\u00e4hrtin seiner sp\u00e4ten Jahre. Durch Ruthi fand er noch einmal eine neue, grosse Familie, seine Enkel gaben ihm Hoffnung f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Auch wenn Krankheiten seine letzten Lebensjahre begleiteten, verlor Ascher Ben-Shmuel nie sein waches Interesse an seiner Umwelt, an seinen Mitmenschen, an der Politik, vorab jener seiner Heimat Israel, die ihn mit wachsender Sorge erf\u00fcllte. Gleichwohl blieb er dem Land in unverbr\u00fcchlicher Treue verbunden. Es war ein weiter Weg gewesen aus dem religi\u00f6s gepr\u00e4gten osteurop\u00e4ischen Elternhaus in jene s\u00e4kular-aufgekl\u00e4rte Welt westlicher Kultur und Wissenschaft, die seinen beruflichen wie pers\u00f6nlichen Lebensweg bestimmte. Dass er dabei nie seinen inneren Kompass verlor, verdankt sich zweifellos seiner Verankerung im Judentum, das er lebte, auch wenn er nicht mehr im strengen Sinn religi\u00f6s war. Er sammelte Judaica und Werke israelischer K\u00fcnstler und unterst\u00fctzte gemeinn\u00fctzige Organisationen wie z.B. den Magen David Adom. Er liebte es aber auch, seine nicht-j\u00fcdischen Freunde in der Schweiz auf gemeinsamen Reisen oder bei seinen legend\u00e4ren Seder-Abenden mit der Sch\u00f6nheit j\u00fcdischer Traditionen vertraut zu machen. Wenn er ein besonders seltenes St\u00fcck seiner Judaica-Sammlung herzeigte, wenn er Szenen aus Chagalls Bibel-Illustrationen erl\u00e4uterte oder eine neue Ausstellung im Bauhaus-Center in Tel Aviv ank\u00fcndigte, dann leuchteten seine Augen, und man sp\u00fcrte, wo sein Herz zuhause war.<\/p>\n<p><em>Klara Oberm\u00fclle<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf Ascher Ben-Shmuel \u00a0 1934 \u2013 2026 \u00a0 \u00a0 Ascher Ben-Shmuel war schon weit \u00fcber 60, als er im Jahr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6343","page","type-page","status-publish","hentry"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6343\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bauhaus-center.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}